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Die Flaktürme in Wien — Gedächtnisorte von europäischer Relevanz


Die Preisgabe dieser singulären Bauwerke wäre eine Fahrlässigkeit - gerade in einer Stadt wie Wien, wo Historic Sites, die als Mahn- und Lernorte wirken können, weitgehend fehlen.
(Heidemarie Uhl, in Erinnerungsort Flakturm, Phoibos Verlag 2010)

Bis heute ist keiner der sechs Wiener Flaktürme als Denkmal ausgewiesen, ihre Funktion und Entstehung im Nationalsozialismus wird vor Ort gar nicht oder nur unzureichend erklärt. Fünf Flaktürme stehen noch unter Denkmalschutz (Ausnahme Esterhazypark), doch haben auch sie bereits Nutzer oder Mieter - der interessierten Öffentlichkeit bleiben sie verschlossen. Die schwierige Verwertbarkeit der Stahlbetontürme ist ihr größtes Potential: Solange sie von keiner Fremdnutzung umgedeutet und in beliebige Immobilien transformiert werden, muss man sich ständig von Neuem mit ihnen auseinandersetzen und die Hintergründe ihrer Entstehung hinterfragen.

Massiver Einsatz von Zwangsarbeitern auf Flakturmbaustellen

Für die Errichtung der Wiener Flaktürme in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs wurden Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus allen Teilen Europas und der Sowjetunion ausgebeutet. Die Architektursprache ist der Machtdemonstration des NS-Regimes gewidmet, der tatsächliche Nutzen der Flaktürme war jedoch deutlich geriner als es nach außen schien. Heute wird den Bauten als Luftschutzbunker für die Bevölkerung ein positiver Nutzen zuerkannt, der für ihre Erbauung jedoch nicht ausschlaggebend war. Das Wissen um den massiven Einsatz von Zwangsarbeitern hingegen ist noch wenig verbreitet. Die Lager sind verschwunden, ein aktives Gedenken an die Opfer der NS-Zwangsarbeit gibt es nicht.

Die Produkte der Zwangsarbeit jedoch, die sechs Wiener Flaktürme, sind unverändert vorhanden! Sie sind Mahnmale der massenhaften Ausbeutung und Entwürdigung von Menschen im Nationalsozialismus und auch als solche zu kennzeichnen. Ohne eine entsprechende Kommentierung werden die Flaktürme nicht als Mahnmale sondern als Immobilienleerstand wahrgenommen.